Nicht jeder, der von der attraktiven Rendite der Solarenergie profitieren möchte, besitzt ein eigenes Dach. Mieter, Stockwerkeigentümer ohne geeignetes Dach oder Investoren, die ihr Portfolio diversifizieren möchten, können über Solar Crowdfunding an der Energiewende und ihren Renditen teilhaben. In der Schweiz gibt es mehrere Plattformen und Modelle, die Beteiligungen an Solaranlagen ermöglichen. Dieser Artikel erklärt die verschiedenen Modelle, ihre Renditen, Risiken und worauf Sie achten sollten.
Was ist Solar Crowdfunding?
Solar Crowdfunding bezeichnet die gemeinschaftliche Finanzierung von Solaranlagen durch viele Einzelpersonen. Statt eine eigene Anlage auf dem Dach zu installieren, investieren Sie einen Betrag – typischerweise ab 500 bis 5’000 Franken – in ein Solarprojekt und erhalten dafür eine Rendite aus dem Stromverkauf oder der Stromproduktion. Das Konzept macht Solarinvestments auch für kleinere Beträge und für Menschen ohne eigenes Dach zugänglich.
Die Grundidee ist einfach: Ein Projektentwickler plant und baut eine Solaranlage – oft auf Gewerbedächern, Infrastrukturflächen oder in Solarparks. Die Finanzierung erfolgt ganz oder teilweise über Kleinanleger, die sich über eine Crowdfunding-Plattform beteiligen. Die Erträge aus dem Stromverkauf werden an die Investoren ausgeschüttet.
Modelle des Solar Crowdfundings in der Schweiz
Modell 1: Darlehenbasiertes Crowdfunding
Beim darlehenbasierten Modell gewähren Sie dem Projektentwickler ein Darlehen mit festem Zinssatz und Laufzeit. Die Rendite liegt typischerweise bei 3 bis 6 Prozent pro Jahr. Ihr Kapital wird nach der Laufzeit (oft 8 bis 15 Jahre) zurückgezahlt. Dieses Modell ähnelt einer Obligationenanlage und bietet eine kalkulierbare, feste Rendite. Das Risiko besteht im Ausfall des Projektentwicklers.
Modell 2: Beteiligungsbasiertes Crowdfunding
Bei diesem Modell erwerben Sie einen Anteil an der Solaranlage oder an einer Projektgesellschaft. Sie partizipieren direkt am Ertrag der Anlage – und tragen auch das Produktionsrisiko. Die Rendite schwankt je nach Sonneneinstrahlung und Strompreisen, liegt aber typischerweise bei 4 bis 8 Prozent pro Jahr. Die Laufzeit entspricht der Lebensdauer der Anlage (20 bis 25 Jahre).
Modell 3: Virtuelle Solaranlagen
Einige Anbieter ermöglichen den Kauf virtueller Solarpanels. Sie kaufen ein oder mehrere Panels einer grösseren Anlage und erhalten den anteiligen Stromertrag in Form von Gutschriften auf Ihrer Stromrechnung oder als finanzielle Ausschüttung. Dieses Modell ist besonders für Mieter interessant, da es den direkten Nutzen von Solarstrom ohne eigenes Dach ermöglicht.
Rendite von Solar Crowdfunding
Die Rendite von Solar-Crowdfunding-Projekten in der Schweiz liegt typischerweise bei 3 bis 7 Prozent pro Jahr. Das ist weniger als die 6 bis 10 Prozent, die eine eigene Solaranlage auf dem Dach erzielt. Der Unterschied erklärt sich durch mehrere Faktoren: Die Plattform und der Projektentwickler verdienen eine Marge, die die Investorenrendite schmälert. Es gibt keinen Eigenverbrauchsvorteil, da der Strom ins Netz eingespeist wird. Und der steuerliche Abzug entfällt, da es sich nicht um eine energetische Sanierung der eigenen Liegenschaft handelt.
Trotzdem bietet Solar Crowdfunding eine attraktive Rendite im Vergleich zu klassischen Anlageformen. 4 bis 6 Prozent pro Jahr bei moderatem Risiko übertreffen Sparkonten, Obligationen und viele Festgeldangebote deutlich. Und im Gegensatz zu Aktien ist die Rendite weitgehend planbar und unabhängig von Börsenentwicklungen.
Risiken von Solar Crowdfunding
Projektrisiko
Das Hauptrisiko ist das Projektrisiko: Was passiert, wenn der Projektentwickler in finanzielle Schwierigkeiten gerät oder insolvent wird? Im schlimmsten Fall kann das investierte Kapital verloren gehen. Dieses Risiko lässt sich durch sorgfältige Auswahl seriöser Plattformen und Projekte minimieren.
Liquiditätsrisiko
Solar-Crowdfunding-Investitionen sind in der Regel illiquide – Sie können Ihre Anteile nicht einfach an der Börse verkaufen. Die Laufzeiten betragen oft 10 bis 20 Jahre, während derer Ihr Kapital gebunden ist. Einige Plattformen bieten Sekundärmärkte an, auf denen Anteile ge- und verkauft werden können, aber die Liquidität ist begrenzt.
Technisches Risiko
Die Anlage könnte weniger Strom produzieren als prognostiziert, etwa durch ungünstige Wetterbedingungen, technische Ausfälle oder höhere Degradation. Bei beteiligungsbasierten Modellen tragen die Investoren dieses Risiko direkt. Professionell geplante Anlagen minimieren dieses Risiko durch konservative Ertragsprognosen und professionelle Wartung.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Bei der Wahl einer Crowdfunding-Plattform und eines Projekts sollten Sie auf folgende Kriterien achten: Die Plattform sollte von der FINMA reguliert oder bei einer Selbstregulierungsorganisation registriert sein. Der Projektentwickler sollte nachweisbare Erfahrung im Solarbereich haben. Die Renditeprognosen sollten konservativ und transparent sein. Die Kostenstruktur (Plattformgebühren, Managementgebühren) sollte offengelegt werden.
Prüfen Sie ausserdem, ob die Anlage bereits gebaut und in Betrieb ist oder ob es sich um ein Planungsprojekt handelt. Bestehende Anlagen haben ein geringeres Risiko als Projekte in der Planungsphase. Achten Sie auch auf die Versicherungssituation und die Wartungsverträge der Anlage.
Solar Crowdfunding vs. eigene Solaranlage
Wenn Sie ein eigenes Dach haben, ist eine eigene Solaranlage in der Regel die rentablere Option. Die höhere Rendite durch Eigenverbrauch und Steuerabzug macht den Unterschied. Crowdfunding ist dagegen die ideale Lösung für Mieter, für Eigentümer ohne geeignetes Dach oder als Ergänzung zur eigenen Anlage für zusätzliche Diversifikation.
Viele Anleger kombinieren beide Ansätze: Eine eigene Solaranlage auf dem Dach als Kernanlage mit hoher Rendite, ergänzt durch Crowdfunding-Beteiligungen an grösseren Projekten für zusätzliche Diversifikation und Rendite. Diese Kombination bietet ein optimales Verhältnis von Rendite, Risiko und Diversifikation.
Steuerliche Behandlung
Die steuerliche Behandlung von Solar-Crowdfunding-Erträgen hängt vom Modell ab. Zinserträge aus darlehenbasierten Modellen unterliegen der Einkommenssteuer und der Verrechnungssteuer. Erträge aus Beteiligungen werden je nach Rechtsform als Dividenden oder Kapitalgewinne behandelt. Der steuerliche Abzug der Investitionskosten als energetische Massnahme ist beim Crowdfunding in der Regel nicht möglich, da keine eigene Liegenschaft betroffen ist.
Zukunft des Solar Crowdfundings in der Schweiz
Der Markt für Solar Crowdfunding wächst stetig. Die Energiestrategie 2050 und die steigenden Klimaschutzverpflichtungen werden den Ausbau der Solarenergie in der Schweiz beschleunigen. Damit steigt auch der Bedarf an Finanzierung – und die Chancen für Crowdfunding-Investoren. Neue regulatorische Rahmenbedingungen und technologische Fortschritte könnten die Transparenz, Sicherheit und Liquidität von Solar-Crowdfunding-Investitionen weiter verbessern.
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Solar Crowdfunding macht die attraktive Rendite der Solarenergie für alle zugänglich – auch für Menschen ohne eigenes Dach. Mit Renditen von 3 bis 7 Prozent pro Jahr bietet es eine überdurchschnittliche Verzinsung bei moderatem Risiko. Wer ein eigenes Dach hat, sollte zunächst eine eigene Anlage in Betracht ziehen, da diese durch Eigenverbrauch und Steuerabzug höhere Renditen erzielt. Für alle anderen ist Solar Crowdfunding eine hervorragende Möglichkeit, von der Energiewende zu profitieren und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.