Die Strompreise in der Schweiz befinden sich auf einem historischen Höchststand und werden nach Einschätzung der meisten Energieexperten weiter steigen. Für Besitzer von Solaranlagen ist das paradoxerweise eine ausgezeichnete Nachricht: Jede Strompreiserhöhung steigert automatisch den Wert des selbst produzierten Solarstroms und damit die Rendite der Anlage. Dieser Artikel analysiert die Strompreisentwicklung in der Schweiz, erklärt die treibenden Faktoren und zeigt, wie steigende Preise Ihre Solar-Rendite über die Jahre immer weiter verbessern.

Historische Strompreisentwicklung in der Schweiz

In den letzten zwanzig Jahren hat sich der durchschnittliche Strompreis für Schweizer Haushalte deutlich erhöht. Noch Anfang der 2000er-Jahre lag der Preis bei rund 16 bis 18 Rappen pro Kilowattstunde. Bis 2020 stieg er auf 20 bis 22 Rappen. Dann kam der dramatische Anstieg: Durch die Energiekrise 2022 und 2023 kletterten die Preise auf 27 bis 35 Rappen, in einigen Gemeinden sogar über 40 Rappen pro Kilowattstunde.

Dieser Anstieg entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von rund 3 bis 4 Prozent über die letzten 20 Jahre. In einzelnen Perioden waren es deutlich mehr. Wichtig ist: Es handelt sich nicht um vorübergehende Spitzen, sondern um einen strukturellen Trend, der von fundamentalen Faktoren getrieben wird.

Warum die Strompreise weiter steigen werden

Netzausbau und Infrastruktur

Das Schweizer Stromnetz muss für die Energiewende massiv ausgebaut und modernisiert werden. Swissgrid plant Investitionen in Milliardenhöhe für den Ausbau der Übertragungsnetze. Diese Kosten werden über die Netztarife auf die Verbraucher umgelegt. Allein die Netzkosten machen heute rund ein Drittel des Strompreises aus – und sie werden steigen.

Ausstieg aus Kernenergie

Die Schweiz hat den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Die Kernkraftwerke produzierten bisher rund 35 Prozent des Schweizer Stroms zu relativ niedrigen Kosten. Wenn diese Kapazität durch neue erneuerbare Energien und Importe ersetzt werden muss, werden die Gestehungskosten tendenziell steigen.

EU-Strommarkt und Importpreise

Die Schweiz importiert zeitweise erhebliche Mengen Strom aus dem europäischen Ausland, insbesondere im Winter. Die europäischen Strompreise sind stark gestiegen, getrieben durch höhere Gaspreise, CO2-Zertifikate und den Ausstieg aus Kohle und Kernenergie. Da die Schweiz in den europäischen Strommarkt eingebunden ist, wirken sich diese Preiserhöhungen auch hierzulande aus.

Abgaben und Förderung

Der Netzzuschlag zur Finanzierung der Förderung erneuerbarer Energien, der Gewässer- und Umweltschutz sowie weitere Abgaben erhöhen den Endkundenpreis. Diese Abgaben sind in den letzten Jahren gestiegen und werden voraussichtlich weiter zunehmen, um die Energiewende zu finanzieren.

Auswirkungen auf die Solar-Rendite

Der Eigenverbrauchsvorteil wächst

Jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen, ist so viel wert wie der aktuelle Strompreis. Wenn der Strompreis von 30 auf 35 Rappen steigt, erhöht sich der Wert Ihres Eigenverbrauchs um 17 Prozent. Bei 3’000 kWh Eigenverbrauch pro Jahr bedeutet das eine zusätzliche Ersparnis von 150 Franken – jährlich, wiederkehrend und steigend.

Über 25 Jahre summiert sich dieser Effekt enorm. Angenommen, der Strompreis steigt jährlich um 3 Prozent von aktuell 30 Rappen: Nach 10 Jahren liegt er bei 40 Rappen, nach 20 Jahren bei 54 Rappen. Der kumulierte Mehrwert gegenüber einer Rechnung mit konstantem Strompreis beträgt über 25 Jahre mehrere tausend Franken – ein reiner Zusatzertrag für Solaranlagenbesitzer.

Steigende Einspeisevergütungen

In vielen Gemeinden ist die Einspeisevergütung an die Marktpreise gekoppelt. Wenn die Grosshandelspreise steigen, erhöht sich auch die Vergütung für eingespeisten Solarstrom. Dies verbessert die Rendite auch für den Teil des Solarstroms, den Sie nicht selbst nutzen.

Konkrete Renditeberechnung mit steigenden Strompreisen

Betrachten wir den Unterschied zwischen einer Renditeberechnung mit konstantem und steigendem Strompreis anhand einer 10-kWp-Anlage mit 30 Prozent Eigenverbrauch.

Bei konstantem Strompreis von 30 Rp./kWh ergibt sich über 25 Jahre ein Gesamtertrag aus Eigenverbrauch von rund 22’500 Franken. Bei einer jährlichen Strompreiserhöhung von 3 Prozent steigt dieser Wert auf rund 33’500 Franken – ein Plus von 11’000 Franken oder fast 50 Prozent. Die jährliche Rendite erhöht sich dadurch um rund 1,5 bis 2 Prozentpunkte.

Wenn Sie zusätzlich berücksichtigen, dass steigende Strompreise auch die Einspeisevergütung erhöhen können, fällt der Effekt noch stärker aus. Konservativ gerechnet erhöhen steigende Strompreise die Gesamtrendite einer Solaranlage um 1,5 bis 3 Prozentpunkte gegenüber einer statischen Berechnung.

Solarstrom vs. Netzstrom: Die Preisschere öffnet sich

Die Gestehungskosten von Solarstrom sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken und liegen heute bei 8 bis 14 Rappen pro Kilowattstunde für neue Anlagen in der Schweiz. Gleichzeitig steigen die Netzstrompreise. Diese Preisschere öffnet sich immer weiter – zugunsten der Solaranlagenbesitzer.

Wenn der Netzstrompreis bei 35 Rappen liegt und die Gestehungskosten des Solarstroms bei 10 Rappen, sparen Sie 25 Rappen pro selbst verbrauchter Kilowattstunde. In fünf Jahren könnte der Netzstrompreis bei 42 Rappen liegen, während Ihre Solarstromkosten gleich bleiben – die Ersparnis steigt auf 32 Rappen. Dieser sich verstärkende Trend macht Solaranlagen mit jedem Jahr rentabler.

Prognosen für die Schweizer Strompreise

Die meisten Energieexperten und Institute prognostizieren für die Schweiz weiter steigende Strompreise. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) veröffentlicht jährlich die Strompreise und hat in den letzten Jahren stets Erhöhungen gemeldet. Der Bundesrat rechnet in seinen Energieperspektiven mit einem langfristig steigenden Preisniveau.

Selbst wenn die Energiewende erfolgreich verläuft und viel neuer erneuerbarer Strom ans Netz geht, werden die Netzkosten und Abgaben weiter steigen. Für Solaranlagenbesitzer bedeutet das: Die Rendite wird über die Lebensdauer der Anlage tendenziell besser als die heutige Prognose – ein zusätzlicher Sicherheitspuffer für die Investition.

Strategien für Anleger bei steigenden Strompreisen

Angesichts steigender Strompreise gibt es klare Handlungsempfehlungen: Erstens sollten Sie Ihre Solaranlage möglichst bald installieren, denn je früher Sie von den steigenden Preisen profitieren, desto höher ist Ihre kumulative Ersparnis. Zweitens lohnt es sich, den Eigenverbrauch zu maximieren, da der Eigenverbrauchsvorteil bei steigenden Preisen überproportional wächst.

Drittens sollten Sie eine möglichst grosse Anlage installieren, da der überschüssige Strom bei steigenden Preisen ebenfalls wertvoller wird. Viertens ist ein Batteriespeicher bei steigenden Strompreisen wirtschaftlich immer attraktiver, da die Differenz zwischen Eigenverbrauchswert und Einspeisevergütung wächst.

Berechnen Sie Ihre Rendite mit realistischen Strompreisprognosen

Unser Rechner berücksichtigt steigende Strompreise für eine realistische Renditeprognose.

Rendite berechnen →

Fazit: Steigende Strompreise als Renditetreiber

Die Entwicklung der Strompreise in der Schweiz spricht klar für eine Investition in Solarenergie. Steigende Netzstrompreise erhöhen den Wert des selbst produzierten Solarstroms und verbessern die Rendite Ihrer Anlage Jahr für Jahr. Wer heute investiert, sichert sich gegen zukünftige Preiserhöhungen ab und profitiert von einer Rendite, die mit der Zeit sogar besser wird. In einer Welt steigender Energiekosten ist eine Solaranlage nicht nur eine gute Investition – sie ist eine der klügsten Absicherungsstrategien, die Ihnen als Eigenheimbesitzer zur Verfügung stehen.